Gesund, länger und glücklicher leben

Veröffentlicht am 10.12.2018 in Presseecho
Prof. Joachim Fischer
Prof. Joachim Fischer

Gäubote vom 10.120.2018

Herrenberg: SPD diskutiert mit Experten über Modellprojekt

„Ermahnungen helfen nicht weiter“, sagte der Experte für öffentliche Gesundheit, Sozial- und Präventivmedizin, Prof. Dr. med. Joachim Fischer von der Universität Heidelberg-Mannheim, bei einem öffentlichen Vortrag, den die Herrenberger SPD-Fraktion organisiert hat.

Mit Interessierten wollte sich die Fraktion über das Modellprojekt „Gesunde Stadt“ mit Beispielen aus Gaggenau (Ortenaukreis) und Michelfeld (Landkreis Schwäbisch Hall) informieren und Impulse aufnehmen, wie man kommunal die Gesundheit der Bürger fördern kann. Die Stadträte Sarah Holczer und Bodo Philipsen konnten dazu Oberbürgermeister Thomas Sprißler und zahlreiche interessierte Gäste begrüßen. Dass Gesundheit auch ein zentraler wirtschaftlicher Faktor ist, wurde in den Ausführungen von Professor Fischer an verschiedenen Beispielen deutlich: „Zehn Prozent weniger Herzinfarkte sind ein Prozent mehr Wachstum.“ Früh und großzügig in Bildung zu investieren, schnell Krankheiten zu behandeln, Einsamkeit zu verhindern, alles sei nicht nur für die Gesundheit der Menschen bedeutsam, sondern eben auch billiger, als auf die Folgen zu reagieren. Kommunen könnten in der Prävention gemeinsam mit den Bürgern viel erreichen, wenn sie das Thema Gesundheit als Querschnittsaufgabe über alle kommunalen Politikfelder hinweg betrachten würden. Kindergärten, die zur Bewegung erziehen, Schulen, in denen gutes Licht das Lesen und Arbeiten anregt, Stadtquartiere mit viel Grün und Spielstraßen zum Toben, familienfreundliche Wohngebiete, Quartiershäuser, in denen ältere Menschen gemeinsam mit jüngeren ihren Alltag verbringen: An zahlreichen Beispielen aus den beiden Musterkommunen belegte Professor Joachim Fischer die Wirksamkeit solcher Maßnahmen. Ein gutes Jahr länger sollen alle Bürger leben, so das konkrete Ziel seiner Vorstellungen.

Der Professor gab viele Anregungen. Wichtig sei, dass diese Aufgabe von der Stadt angenommen werde und es einen Kümmerer, am besten als Stabsstelle unter dem Oberbürgermeister, gibt, der alle Projekte der Stadt, die sowieso anstehen, unter diesem Gesichtspunkt beleuchtet. An konkreten Daten sollte man den Erfolg messen. „Wir beraten da auch gerne“, so der Referent für sein Institut. OB Sprißler freute sich in seinem Grußwort darüber, dass das Thema aufgegriffen wurde. In vielem sah er Herrenberg bereits auf einem guten Weg. Der Vortrag von Professor Fischer zu neuen Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung mit einer Betrachtung der gesamten Lebenszeit von der Geburt über das prägende Kleinkindalter, die Schulzeit, das Arbeitsleben und die Lebenssituation älterer und hochaltriger Menschen brachte die Diskussion in Schwung. In ihr bekannte er aber auch weiteren Forschungsbedarf zur Frage, wie man die Gesundheitschancen ohne mahnenden Zeigefinger mit attraktiven Anreizen und intelligenten Angeboten erhöhen und eine messbare Breitenwirkung erzielen kann.

Bodo Philipsen verwies eingangs auf aktuelle kommunalpolitische Handlungsfelder in Herrenberg-Süd, bei der Neugestaltung eines generationenverbindenden Quartiers auf dem Gelände des Wiedenhöfer-Stifts oder bei der anstehenden Sanierung der Schulen. Sich bewusst zu machen, dass hier in vielerlei Hinsicht auch die Weichen für ein gesundes Leben gestellt werden, sollte selbstverständlich werden.

Möglichst lange zu Hause wohnen

Vielfältig waren die Fragen aus dem Publikum zum Thema „Wohnen im Alter“, mit dem deutlichen Wunsch, ambulante und stationäre Angebote zu vernetzen und Quartiere zu entwickeln, in denen man möglichst lange in den eigenen vier Wänden und einer vertrauten Nachbarschaft leben kann. Die Bedeutung des Stadtgrüns für das Wohlbefinden und die Frage, welche Dichte von Menschen als erträglich empfunden wird, wurde ebenfalls diskutiert und ist aktuell Gegenstand zahlreicher Untersuchungen weltweit.

Der demografische Wandel und die Digitalisierung des Alltags seien nicht aufzuhalten, aber das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft, Nähe und Selbstbestimmung bleibe, so Professor Fischer. Als Fazit fassten Sarah Holczer und Bodo Philipsen zusammen, dass in vielen Details Potenzial für eine gute Lebensqualität stecke. Entscheidend sei nicht die derzeit erkennbare Steigerung der Lebensjahre, sondern die Verbesserung der Lebensqualität, so dass es vor allem mehr gute und gesunde Jahre werden, die Menschen erleben. Dazu kann Kommunalpolitik Chancen eröffnen.
-gb-

 

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Leni Breymaier

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